Am 14. Oktober 2026 wurde Wassily Kandinskys Das bunte Leben (1907) bei Christie’s in London für 31,56 Millionen Pfund einschließlich Aufgeld versteigert. In der ausführlichen Auktionsbeschreibung findet der erhaltene Originalrahmen allerdings keine Erwähnung.
Gesamtansicht mit Rahmen
Dabei lohnt sich ein genauer Blick: Der breite, nahezu schwarz gefasste Plattenrahmen wird innen und außen von bronzierten und lasierten Profilleisten begrenzt.
Eckdetail mit Signatur
Besonders reizvoll ist die lebhafte Ornamentik der beiden Profilleisten. Die innere Lichtkante zeigt eine Folge halbrunder Ausnehmungen und dazwischenliegender dreieckiger Einkerbungen. Der äußere Halbrundstab wird durch langgezogene, an den Enden gerundete Auskehlungen gegliedert.
Die Gestaltung erinnert an Rahmungen russischer Künstler um 1900, insbesondere aus dem Umfeld des Symbolismus. Kandinskys Lehrer Franz von Stuck, der die Rahmen seiner Gemälde selbst entwarf, dürfte ihm darüber hinaus ein Bewusstsein für die gestalterische Bedeutung des Bilderrahmens vermittelt haben.
Die breite, dunkle Rahmenplatte bildet einen ruhigen Gegenpol zur außergewöhnlichen Farbigkeit und kleinteiligen Komposition des Gemäldes. Zugleich nimmt die lebhafte Ornamentik der Profilleisten dessen spielerischen Charakter auf.
Rückseite
Auch die Rückseite ist aufschlussreich: Die Rahmenecken sind durch eingesetzte Holzdreiecke verstärkt. Der später montierte Klimarahmen ist auf Abb. 11 im Beitrag von Ulrike Fischer auf der Website des Lenbachhauses zu sehen.
Bildnachweis
Christie’s Images Ltd. 2026 (Gesamtansicht, Detail und Rückseite).