Durand-Ruel – Der letzte Originalrahmen?
Am 22. Oktober 2026 versteigert Christie’s in Paris bedeutende Werke aus der Sammlung der Familie Durand-Ruel. Paul Durand-Ruel (1831–1922) war einer der wichtigsten Förderer des Impressionismus.
Bei der Durchsicht des Online-Katalogs fällt ein bemerkenswertes Detail auf: Offenbar hat nur eines der angebotenen Gemälde seinen ursprünglichen Rahmen bewahrt. Die übrigen Werke sind auf den Katalogabbildungen überwiegend mit neuen, einfachen Kopien historischer Rahmen oder mit älteren, durch Formatänderungen an die Gemälde angepassten Rahmen zu sehen, einige auch ganz ohne Rahmen.
Es handelt sich um La Seine à l’Estacade von Stanislas Lépine (1835–1892), entstanden 1882. Die Galerie Durand-Ruel erwarb das Gemälde am 10. Oktober 1890 direkt vom Künstler. Seither blieb es im Familienbesitz.
Der schmale, vergoldete Rahmen mit seiner zurückhaltenden Ornamentik entspricht einem Rahmentyp, den Durand-Ruel bevorzugt verwendete. Diese an klassizistischen Vorbildern des Louis-XVI-Stils orientierten Rahmen wurden geradezu zu einem Markenzeichen seiner Galerie. Foto: Christie’s
Auch die Rückseite ist aufschlussreich: Die eingesetzten Holzdreiecke zur Verstärkung der Gehrungen dokumentieren die historische Konstruktion des Rahmens. Foto: Christie’s
Eine historische Fotografie der großen Impressionisten-Ausstellung, die Durand-Ruel 1905 in den Londoner Grafton Galleries veranstaltete, zeigt, wie konsequent er diesen Rahmentyp einsetzte. An der linken Wand hängt Pierre-Auguste Renoirs berühmtes Le Déjeuner des canotiers (1880–1881) in einer entsprechenden Rahmung. Foto: Archives Durand-Ruel
Das Gemälde befindet sich heute in der Phillips Collection in Washington – allerdings nicht mehr in seinem damaligen Rahmen.
Durand-Ruel verstand es, die damals revolutionäre Malerei der Impressionisten durch vertraute, historisch geprägte Rahmen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Die Rahmen waren damit nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern Teil seiner Strategie, die moderne Kunst gesellschaftsfähig zu machen.
Umso bedauerlicher ist es, dass so wenige dieser historischen Rahmungen erhalten geblieben sind.
Stattdessen begegnen uns heute häufig billige Kopien historischer Rahmen – selbst bei Gemälden von Millionenwert. Dabei wäre gerade bei solchen Werken eine sorgfältige Auseinandersetzung mit ihrer Rahmung angebracht.
Ein Missverhältnis, das für den heutigen Umgang mit Rahmen leider bezeichnend ist.
Quellen und weiterführende Informationen
Christie’s, Paris, 22. Oktober 2026
Durand-Ruel, Generations of Vision – vollständiger Auktionskatalog
Stanislas Lépine, La Seine à l’Estacade, 1882 – Los bei Christie’s
Paul Mitchell Ltd.
Framing the Impressionists, Part 1 (2017)
Der Beitrag von Paul Mitchell bestätigt insbesondere die historische Einordnung der Durand-Ruel-Rahmen und ihre Funktion bei der Präsentation impressionistischer Malerei.